Tagebuch

Ich verneige mich, großer Meister!!!

Wuppertal, 23. Mai 2007 - 12:01 Uhr

Zum ersten Mal achtzig!
Als heute vor achtzig Jahren im niederschlesischen Bunzlau ein Knäblein klein das Licht des Tagesöffentlichkeit erblickte, ahnte niemand, dass er einmal Platzanweiser werden würde...
Hildebrandt.jpg Diesem Intermezzo verdankt er die kurze Bekanntschaft des großen Erich Kästner, dem er später in einer eigenen Fernsehsendung huldigen sollte.
Über Dieter Hildebrandt etwas zu schreiben hieße, Kohle nach Gelsenkirchen tragen, darum vernachlässige ich Bekanntes und schreibe einfach meine Erlebnisse auf und meine Erinnerungen.
Ich war noch ein Drei-bis-vierkäsehoch, als ich ihn das erste Mal in den “Notizen aus der Provinz” sah und ich verstand nicht, warum mein Vater sich über die Worte des Mannes auf dem Bildschirm echauffierte. Heute weiß ich es! Es sollte noch einige Jahre dauern, bis ich diesen Mann auf dem heimischen Monitor wiedersah. Diesemal jedoch auf dem anderen Kanal und in einer Sendung mit dem Namen “Scheibenwischer”. Mir gefiel der Witz, der Geist und die unverblühmte Frechheit, mit der Politik und ihre Macher aufs Korn genommen wurden. Ich beschloss, diese Sendung regelmäßig zu sehen und auf Videokassetten aufzuzeichnen. Die erste auf Band war ausgerechnet jene erste nach dem Tode seiner Frau Irene, live gesendet von der IFA in Berlin. Von seinen Gästen stach vor allem Jörg Hube hervor, der in einer unvergesslich schönen FJS-Parodie anlässlich des siebzigsten Geburtstages des Bayerischen Patriarchs “Happy Birthday To Me!” mit dem prominent besetzten Publikum anstimmte.
Im Gegensatz zum Bayerischen Rundfunk blendete ich mich nie aus sondern erfreute mich der Ansichten und Einsichten zunehmend. Ich lernte, mich kritischer mit mir und meiner Umwelt auseinanderzusetzen und fasste, inspiriert durch Hildebrandt den Entschluss, mich irgendwann zu äußern. Ohne ihn gäbe es “strg+alt+entf” in dieser Form nicht! Hildebrandt2.jpg Über die Jahre wurde er mir zur festen Größe im Fernsehen, ja mich interessierte kaum noch etwas anderes, außer Sport vielleicht. Ich las seine Bücher und beschäftigte mich mit seiner Karriere. Jede Sekunde über die “Münchner Lach- und Schießgesellschaft” wurde aufgezeichnet und mit Genuss konsumiert. Seine brillianten Soli imponierten mir und im Jahre 1997 sollte es endlich soweit sein. Erste Begegnung auf dem Bücherbummel in Düsseldorf. Vor Erfurcht erstarrt fasst meine Frau sich ein Herz und sprach ihn an. (der Skorpion ist halt schüchtern) Am folgenden Tag sahen wir ihn wieder, im hiesigen Schauspielhaus bei seiner Lesung, und diesmal war ich so kühn, ihn sein Buch signieren zu lassen!
Einige Jahre später trieb ich diese Kühnheit sogar auf die Spitze und bedankte mich persönlich nach einer Veranstaltung im Rex Theater für die vielen Jahre Scheibenwischer und sein mir bedeutsames Werk. Er sah mich heiter mit leichter Verwunderung im Blicke an, als ob er nicht recht glauben könne, dass ein Mittdreißiger seinen Scheibenwischer zwanzig Jahre verfolgt haben können wollen hatte. Dem war aber so, wie einige meiner Mitmenschen und Mitmenschinnen bestätigen können.
Verehrter Dieter Hildebrandt!
Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute, Gesundheit und uns wünsche ich noch viele An- und Einsichten! Sie waren und sind mir ein Vorbild und eine Inspiration. Was bleibt mir übrig? Danke!

André Krajewski


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