Tagebuch

Ciao “Super Cic”!

Tagebuch - 24. Oktober 2011 - 16:11 Uhr

...die Schattenseiten des modernen Sports.

Jetzt werden sie sich wieder alle zu Wort melden...
...die Moralisten und Besserwisser, die unerträglichen Foristen und Heuchler.
Nach Dan Wheldon verunglückte innerhalb einer Woche mit Marco Simoncelli ein zweiter Motorsportler tödlich. Das ist beklagenswert und schockierend, denn hinter jedem Helden des modernen Wagenrennens steht vor allem eines: ein Mensch
Und hinter jedem dieser Menschen stecken Väter und Mütter, die ihre Söhne verloren haben; stecken Frauen und Kinder, die ihre Männer und Väter nie wiedersehen werden; stecken Lebensgefährtinnen und Freunde und Verwandte und Geschwister und Fans und...und...und...
Sie alle haben einen Verlust erlitten, den sie betrauern, und wenn dann zu lesen steht, der Getötete trage selbst schuld an dem was geschehen ist, so treibt es mir die Zornesröte ins Gesicht! Was für eine Einstellung zum Leben und zur Realität haben diese Leute? Wie würden sie reagieren, wenn einer ihrer Lieben in jungen Jahren stirbt, weil er übergewichtig war, rauchte, sich schlecht ernährte und jegliche sportliche Aktivität vermied? Was wäre, wenn man Euch dann sagen würde: selbst schuld der Mann! Wer gesünder lebt stirbt später!
Natürlich leben Motorsportler gefährlich. Sie unterhalten uns, und wir nehmen teil, schauen zu. Und wir trauern, wenn einer von ihnen sein Leben lässt.
Der Tod Dan Wheldons hinterlässt Fragen. Warum müssen auf einer solch engen Rennstrecke 34 Wagen dicht an dicht mit offenen Rädern fahren? Ovale sind untaugliche Kurse für solche Fahrzeuge. Und solche Fahrzeuge sind untauglich für Ovale. Nicht die Geschwindigkeit ist das Problem, denn es macht keinerlei Unterschied, ob man mit 360 km/h in die Betonmauer fliegt, oder mit 280! Beton bleibt gleich tödlich. Rennautos gehören auf Strecken mit weiten Auslaufzonen ohne Kies und Mauern! Sie gehören auch nicht in Städte! Man denke an Monte Carlo. Was passiert, wenn sich zwei Formel 1 Rennwagen ähnlich berühren, wenn sie über die Zielgerade rasen? Genau! Mindestens einer flöge in die Zuschauer...die Folgen wären verheerend! Man denke an Le Mans 1955! Man muss umdenken! Ayrton Senna würde heute noch leben, hätte es in der Tamburello nicht diese Mauer gegeben. In der Formel 1 wurde umgedacht. Gottlob...und Senna ist der letzte Tote in der Formel 1.

Im Motorradsport ist die Situation anders. Wer sich die Liste der tödlich Verunglückten der letzten 30 Jahre anschaut wird feststellen, die meisten Opfer wurden von Kollegen überfahren. Patrick Pons von Michel Rougerie, Rougerie nur ein Jahr später...Shoya Tomizawa, Iván Palazzese...
Und davor gibt es keinen Schutz! Und jetzt höre ich schon wieder die Rufe der moralgesteuerten selbsternannten Vordenker "Aufhören!". Aber dann müssen wir mit allem aufhören, was Gefahren in sich birgt. Kein Skifahren mehr, keine Radrennen, kein Fußball, kein gar nichts! Ist das der richtige Weg? Wir müssten das Fliegen verbieten, das Radfahren in großen Städten, und was weiß ich nicht sonst noch, denn wir begeben uns täglich in Gefahren, die wir nicht einschätzen können, und viele sind vermeidbar!
Marco Simoncelli hatte keine Überlebenschance. Und tragischerweise überfuhr ihn auch noch Valentino Rossi, sein Freund und Mentor, und DER Held der Motorradszene. Er wird sich unweigerlich schuldig fühlen am Tod von “Super Cic”. Und er wird damit leben müssen. Träte er zurück, wäre das das falsche Signal, aber es wäre verständlich und menschlich. Denn bei allem was passiert ist, man muss immer daran denken, es sind Menschen die uns Freude bereiten, die uns Zerstreuung vom Alltag bieten. Und jeder Mensch ist gleich kostbar. Ob er nun Rennen fährt, Banken leitet, Uniformen trägt oder unseren Müll entsorgt.

R.I.P. Marco Simoncelli und danke für alles!

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